|
Autor: Peter Hakenson -Bremen-
Bis zum 12./13. Jahrhundert trugen
die Menschen in Europa in der Regel nur
einen Namen. Wenn an einem Ort mehrere Personen mit dem
gleichen Vornamen
lebten, gab man ihnen Zusätze, um sie unterscheiden zu
können: z.B. Johannes,
genannt der Krauskopf oder Konrad, der Müller. Daraus
entwickelte sich die
Zweinamigkeit wie wir sie heute kennen. Die Müllers können
also davon
ausgehen, dass einer ihrer Vorfahren im Mittelalter wirklich
Müller gewesen ist;
und wer heute Kraushaar heißt, hatte vermutlich einen
Vorfahren mit krausen
oder lockigen Haaren.
Oft gibt es aber verschiedene Möglichkeiten für die
Bedeutung eines Namens.
Wer heute König heißt, stammt nicht auch von einem König ab,
vielmehr hatte
der erste Namengeber entweder eine besondere Beziehung zu
einem König, z.B.
als Diener oder Lieferant, oder er führte sich in seinem
Dorf wie ein kleiner
König auf. Der Name Fuchs könnte sowohl auf einen klugen und
listigen als auch
auf einen rothaarigen Namengeber schließen lassen; auch eine
Namensgebung
durch eine Hausmarke (quasi der Vorläufer der Hausnummern)
ist nicht
auszuschließen.
Bedeutungsvarianten des
Familiennamens Bohlken
1. Er könnte sich aus dem friesischen Namen Bolko
gebildet haben, der sich
entweder aus dem slawischen Namen Bolislaw ergeben hat oder,
wahrscheinlicher, aus dem friesischen Vornamen Bohlke, eine
Verkleinerungsform von Bohle, die sich aus der
Vornamenssilbe Bald- (wie Balderich) gebildet hat, von dem
germanischen Gott Baldr stammt und kühn/mutig bedeutet.
2. Der Vorname könnte sich auch von Bohle (für ein
starkes Brett oder Diele) herleiten und der erste Träger des
Namens war ein Zimmermann oder hatte an einer Brücke
gewohnt.
3. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass sich der Name
aus dem norddt. Wort
Bulken für Haufen/Bodenerhebung gebildet hat - der erste
Träger des Namens lebte vielleicht auf einem kleinen Hügel.
4. Oder der Namengeber für die Familie Bohlken war
ein besonders kleiner Mensch - ein Zwerg wurde früher als
Bulk bezeichnet.
5. Vielleicht gab es auch einen kleinen Angeber als
Stammvater der Bohlkens, der immer viel herumgebölkt hat;
nach dem altdeutschen Sprichwort: „Kühe die stark bolken (bölken,
blöken), geben desto nicht mehr Milch.“ Die erste Variante
ist meiner Meinung nach die wahrscheinlichste. Im 18. Jh.
wurde aus dem Vornamen Bohle oder Bohlke der Nachname
Bohlken. Erst 1741 verfügte Graf Fridag aus der Herrlichkeit
Gödens, das jeder Einwohner einen Familiennamen führen
müsse.
Seit 1742 ist der Name Bohlken
verbürgt. Stammvater der Bohlkens war Hayo
Bohlken, geb. 1645, der 1670 von Kniphausen nach
Neustadtgödens zog. Er war
Weber und seine Familie wurde vermutlich im 16. Jh. aus
flandrischen
Tuchmacherorten vertrieben. Die Eltern von Hayo gehörten zu
einer
Mennonitischen Gemeinde, die sich in Neustadtgödens
gegründet hatte.
An der Häufigkeit eines Namens, kann man das
Entstehungsgebiet erkennen. Mit
großer Wahrscheinlichkeit stammen die eigenen Vorfahren also
aus der Gegend,
in der der Name noch heute am häufigsten zu finden ist. Aus
diesem Grund sind
Verbreitungskarten ein wichtiges Hilfsmittel zur Bestimmung
von Herkunft und
Bedeutung der Familiennamen.
Um festzustellen, in welchem Gebiet Deutschlands der Name
Bohlken am
häufigsten auftritt, habe ich mit einer Telefonbuch-CD eine
globale Suche für die
Namen Bohlken und Bohlke durchgeführt. Bohlke deshalb, weil
sich Bohlken aus
dem Namen Bohlke gebildet hat.
In ganz Deutschland waren im Jahr 2000 etwa 300 Telefone auf
den Namen
Bohlke(n) angemeldet. Die Mehrheit (197) kam aus dem
norddeutschen Raum im
Bereich der Postleitzahl 2xxxx. In Norddeutschland waren die
meisten Bohlken
im Bereich der PLZ 26xxx angemeldet (177)
Diese Zahlen zeigen deutlich, dass der Ursprung der Familie
Bohlken in dem
Raum zwischen Jever und Oldenburg liegt. Alte
freiheitsliebende friesische
Bauern also.
Besten Dank für die
Erlaubnis zur Veröffentlichung dem Historiker und Autor
Herrn Peter Hakenson. Suchen Sie professionelle Hilfe bei
Ihren historischen Recherchen Ihres Familiennamens,
der Firmenchronik- oder Vereinsgeschichte empfehle ich Ihnen
einen Besuch auf der Seite
www.historische-recherchen-bremen.de
|